Wie ich meine Lehrstelle fand
Bei meiner Rückkehr aus Kalifornien, wo ich ein Studium der Chinesischen Medizin begonnen hatte, traute ich kaum meinen Augen, als ich im Schaufenster eines Musik-Antiquariats einen Gitarrenbauer an seiner Werkbank arbeiten sah, keine 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Einem inneren Impuls folgend, trat ich ein und fragte ihn, ob er mich ausbilden würde. Er lächelte und sagte nein. Ich verließ jedoch das Geschäft mit dem bestimmten Gefühl, daß er es doch tun würde. Kurz nach dieser ersten Begegnung machte sich der Gitarrenbauer (sein Name war Gert Esmyol) selbstständig, und ich nutzte jeden Vorwand um bei ihm vorbeizuschauen, doch meine gelegentlichen Anfragen nach einer Ausbildung wurden stets abgelehnt.
In dieser Zeit verdiente ich meinen Lebensunterhalt mit Taxifahren (immer wenn der Kühlschrank leer war, oder die Miete fällig), und gelegentlichen Schreiner-Jobs mit einem Freund.
Ich hatte die Hoffnung auf die Lehrstelle schon mehr oder weniger aufgegeben und nur für alle Fälle - da ich auf Wohnungssuche war - die Telefonnummer meines Vaters bei dem Gitarrenbauer hinterlassen, als mich der Freund, mit dem ich die Schreiner-Jobs machte, fragte, ob ich bei einem Betrieb für Innenausbau in Japanischem Stil mitmachen würde.
Diese Idee gefiel mit wesentlich besser als weiter Taxi zu fahren, aber da es das Ende meiner Pläne, Gitarrenbauer zu werden (notfalls auch autodidaktisch) bedeutet hätte, bat ich um ein paar Tage Bedenkzeit.
So saß ich am folgenden Sonntag über einer Liste von Pros und Contras, um zwischen autodidaktischem Gitarrenbau auf zweifelhafter finanzieller Grundlage und Japanischem Innenausbau zu entscheiden, als das Telefon klingelte.
Es war der Gitarrenbauer, der mir sagte, daß ich meine Ausbildung bei ihm beginnen könne.